Dr. Alexander Erdland zur Strategie der W&W-Gruppe

„W&W 2012 – sichern, verbessern, ausbauen“

Dr. Alexander Erdland, Vorstandsvorsitzender der W&W AG, im Interview zur Strategie der W&W-Gruppe.

HERR DR. ERDLAND, DIE FINANZKRISE UND DIE WIRTSCHAFTLICHE REZESSION HABEN 2009 BEI FINANZDIENSTLEISTERN DEUTLICHE SPUREN HINTERLASSEN. WIE HAT SICH DER W&W-KONZERN IN DER KRISE BEHAUPTET?

Wir haben die bisherigen Herausforderungen der massiven Finanz- und Wirtschaftskrise gut gemeistert. Unser Ziel von 9 % Eigenkapitalrendite (ROE) nach Steuern für 2009 haben wir mit einem Jahresüberschuss von 222 Mio € nach IFRS und einem Wert von 9,1 % sogar leicht übertroffen. Dazu haben beide Geschäftsfelder maßgeblich beigetragen: das Segment BausparBank mit 112,6 Mio € und die Versicherungssegmente, vor allem die Schaden-/Unfallversicherung, mit 97,5 Mio €. Das Jahr 2009 ist dabei für die W&W-Gruppe nicht irgendein Jahr, sondern das Schlüsseljahr unseres Restrukturierungsprogramms „W&W 2009“. Dieses haben wir im Jahr 2006 aufgesetzt, um die gemeinsame Neuausrichtung der Gruppe einzuleiten.

Wir haben uns damals Ziele gesetzt bis 2009, ohne spätere Marktentwicklungen genau voraussehen zu können. Es ging darum, eine stabile materielle Grundlage für beide Geschäftsfelder und für die W&W als Ganzes sicherzustellen. Wachstum war zu entwickeln, Kosten mussten gesenkt werden, verbunden mit einer neuen gesamthaften Steuerung der Gruppe sowie einer Kultur der Partnerschaft und der Verantwortung für die Kunden, die Mitarbeiter und die Eigentümer.

IN WELCHEN BEREICHEN DER W&W-GRUPPE MANIFESTIEREN SICH DIESE ERSTEN ERFOLGE AUF DER BASIS DES RESTRUKTURIERUNGSKURSES?

In der Schaden- und Unfallversicherung verzeichnen wir keinen Beitragsabrieb mehr. Unser Zuwachs bei den gesamten gebuchten Bruttobeiträgen ist höher als im Branchenvergleich. Wir kommen damit auf einen Marktanteilszugewinn. Auch im Lebensversicherungsgeschäft haben wir nach vielen Jahren keinen Abrieb des Gesamtjahresbeitrages mehr. Allerdings mit der Besonderheit, dass die Einmalbeiträge hier einen großen Anteil einnehmen. Das verhält sich aber im gesamten Markt ähnlich. Wir sind im Bauspargeschäft erneut gewachsen, während die Branche ein zweistelliges Minus verzeichnete. Dadurch haben wir im Bausparen weiter Marktanteile gewinnen können: 2006 waren wir bei 7,8 %, 2009 liegen wir bei 11,6 %. Wachstum haben wir auch ohne die Verträge der Victoria Bausparkasse erreicht, die wir hinzuerworben haben. Ebenso konnten wir im Baufinanzierungsgeschäft zulegen. Gerade in den unsicheren Zeiten der Wirtschaftskrise zeigt sich die hohe Bedeutung der Immobilie für die Menschen. Sie investieren in den Werterhalt, in Umbaumaßnahmen und in die Energieeffizienz ihrer Hauser und Wohnungen. Parallel sind auch die Bankeinlagen der Kunden bei uns kräftig gewachsen. Und nicht zuletzt sind wir innerhalb der W&W-Gruppe enger zusammengerückt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen überzeugend hinter unserem Zielbild „W&W – DER Vorsorge-Spezialist“, wie die Ergebnisse unserer zuletzt durchgeführten Mitarbeiterbefragung gezeigt haben.

SIE SCHEINEN MIT DEM ERREICHTEN ZUFRIEDEN ZU SEIN.

Nennen wir es ein Stück stolz sein auf die Leistung, die in der Gruppe erbracht wurde, auch vor dem Hintergrund der Ausgangssituation. Zufrieden dürfen wir uns aber nicht geben. Wir haben uns neu auf den Weg gemacht. Wir haben Marktanteile zurückgewonnen. Wir haben die Effizienz verbessert, Ertragspotenziale angesteuert, ein vorzeigbares, funktionierendes Risikomanagement aufgebaut und wir sind innerhalb der Gruppe weiter zusammengewachsen. Unsere Restrukturierung hat uns ganz wesentlich geholfen, in der Finanzkrise bisher vergleichsweise gut zu bestehen. Die inzwischen noch verschärften äußeren Rahmenbedingungen, unsichere Konjunkturperspektiven, sehr volatile Kapitalmarkte und weiterer interner Verbesserungsbedarf zwingen uns jedoch zur konsequenten Fortsetzung unserer Erneuerungsarbeit. Und so wollen wir den nächsten Programmabschnitt „W&W 2012“ angehen. „Sichern, verbessern, ausbauen“: So lauten die drei Schlüsselbegriffe, für die „W&W 2012“ steht. Die Basis dafür haben wir uns mit „W&W 2009“ hart erarbeitet. Unsere Gruppe im Markt, in der Serviceeffizienz und in der Ertragskraft weiter nach vorn zu bringen, das ist die wichtige und lohnenswerte Aufgabenstellung, die ab jetzt im Rahmen von „W&W 2012“ für die kommenden drei Jahre unseren Weg bestimmen wird. Wir haben für 2012 einen Zielwert im Ergebnis von 250 Mio € nach Steuern angepeilt, den wir schaffen können, den wir aber auch brauchen, um das geplante Wachstum zu finanzieren, um strategische Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen und um dabei weiter eine starke Solvabilitätsquote sicherzustellen

WIE WIRD DIE W&W-GRUPPE DAS KONKRET SCHAFFEN?

In einem Unternehmen, das am Kapitalmarkt agiert, unter unterschiedlichen Zinsniveaus und Zinsszenarien, mit unterschiedlichen Bewertungserfordernissen, gibt es in jedem Ergebnis auch Beträge, die in dem Jahr möglich waren, es aber nicht unbedingt auch im nächsten sein werden. Nachdem das Liquiditätsproblem der Finanzkrise durch die massive Intervention der Notenbanken gelöst werden konnte, muss in den nächsten Jahren das Bonitätsproblem abgearbeitet werden, mit all den negativen Auswirkungen auf die Konjunktur. Das wird die Ergebnisse durch den Kapitalanlagebereich volatiler und schwieriger machen. Dies gilt es zu berücksichtigen. Um das notwendige Ergebnis tatsachlich nachhaltig erreichen zu können, müssen wir zusätzlich investieren. Zusammengerechnet wollen wir bis 2012 annähernd 280 Mio € für die Umsetzung der Programm-Maßnahmen in Wachstum, Effizienz und Personal einsetzen. Den Großteil des Geldes benötigen wir für die Fortführung unserer IT-Strategie, um eine profitable Bestandsqualität zu sichern und auszubauen, zur Umsetzung der erhöhten regulatorischen Erfordernisse, für die Stärkung der Fähigkeiten unserer Mitarbeiter, um unsere Steuerungsfähigkeit zu verbessern, vor allem aber für Investitionen in unsere Wettbewerbskraft und damit im Kern in werthaltiges Wachstum als DER Vorsorge-Spezialist. Wir investieren in den Vertriebsausbau, in Beratungs- und Abschlussunterstutzung, in Produkte, in Technik, in Arbeitsorganisation und Service, auch um vieles einfacher zu machen; zusammengefasst investieren wir in das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Kunden. So können wir mehr bieten, mehr bewegen, mehr erreichen.

WIE BEURTEILEN SIE DIE CHANCEN DER W&W-GRUPPE FUR DIE ZUKUNFT?

W&W hat – gerade in der Finanzkrise – an Glaubwürdigkeit, an Anerkennung dazugewonnen. Darauf sind wir stolz, darauf bauen wir auf und gehen nun hoch motiviert an den nächsten Schritt, an die erfolgreiche Verwirklichung des Vorsorge-Spezialisten Wüstenrot und Württembergische. Die Aussichten sind gut: Als DER Vorsorge-Spezialist bieten wir Lösungen aus einer Hand rund um Vermögensbildung, Wohneigentum, finanzielle Absicherung und Risikoschutz. Wir entlasten Millionen von Menschen von Risiken im Alltag. Wir helfen den Menschen, ihre Zukunft sicherer zu gestalten, eröffnen ihnen die Chance, sich ein eigenes Zuhause zu ermöglichen, und wir geben ihnen Zuversicht, dass sie mit uns zusammen Schritt für Schritt ein solides, verlässliches Vermögen aufbauen können. Unsere Kunden und unsere Außendienstpartner stellen eine große Vertrauensbasis dar. Wenn wir mit der bedarfsorientierten Beratung ernst machen, mit Vorsorge-Beratung, die einfach und verlässlich auf die verschiedenen Belange des Kunden eingeht, dann wird es uns gelingen, das vorhandene Potenzial noch viel besser zu erschließen. Wir haben umfassende Möglichkeiten, Wertschöpfung zu gestalten. Sehen Sie, das Thema Vor-Sorge beinhaltet, „Sorge“ zu tragen, nachhaltige Verantwortung zu übernehmen. Sorgen für die Menschen, die unsere Kunden sind oder werden. Das ist unsere Überzeugung. Darauf richten wir uns weiter aus. So bringen wir den Vorteil des Vorsorge-Spezialisten erfolgreich zu den Menschen.