Stuttgarter zu wenig Kompromissen in Sachen Wohnen bereit

• Ein Drittel der Einwohner ist bereit, für das Wohnen in der Innenstadt Stuttgarts auf ein Auto zu verzichten.
• Aber: Jeder zweite Bewohner der Landeshauptstadt würde nicht in eine kleinere Wohnung umziehen.
• Mehrheit der Stuttgarter ist gegen Umwandlung städtischer Grün- oder Gewerbeflächen als Bauland.

Die Attraktivität Stuttgarts ist nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Dynamik der Stadt ungebrochen. Die Wertschätzung hat ihren Preis: Die Nachfrage nach Wohnraum steigt seit Jahren kontinuierlich – und damit auch die Preise für Mieten und Immobilien. Doch innerstädtisches Wohnen hat für die Bevölkerung trotz des insgesamt hohen Preisniveaus einen hohen Stellenwert: Jeder dritte Stuttgarter (35 Prozent) ist bereit, für das Wohnen in der Innenstadt auf den Besitz eines Auto zu verzichten. Für mehr als die Hälfte der Einwohner (52 Prozent) ist eine Einschränkung bei der Wohnungsgröße keine Option. Ebenso spricht sich eine Mehrheit der Stuttgarter (57 Prozent) trotz angespannter Wohnungsmarktlage gegen den Ausweis städtischer Grün- oder Gewerbeflächen als Bauland aus. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) bei Stuttgarter Bürgern ab 18 Jahren.

Wie die Umfrage weiter zeigt, sind die Bewohner der Bezirke Mitte, Nord, Ost, West und Süd mit 48 Prozent häufiger bereit, auf den Pkw-Besitz zu verzichten als in den äußeren Stadtbezirken. Zu diesen zählen die restlichen Stuttgarter Stadtbezirke – von Bad Cannstatt bis Zuffenhausen. Hier würden rund 29 Prozent der Bewohner zugunsten innerstädtischen Wohnens auf ein eigenes Auto verzichten. Auch bei den jungen Erwachsenen unter 40 Jahren aller Stadtbezirke ist diese Haltung besonders ausgeprägt. In dieser Gruppe sind vier von zehn Befragten (42 Prozent) bereit, auf den Besitz eines Autos zu verzichten.

Für das Wohnen in der Innenstadt würden viele Stuttgarter auch auf einen gemieteten Parkplatz oder Garagenstellplatz für ein Fahrzeug verzichten: Für fast jeden dritten Stuttgarter (31 Prozent) ist dies denkbar. Doch nicht alle Stuttgarter wollen einen Pkw-losen Haushalt oder auf einen Stellplatz verzichten – in den nördlichen und westlichen Stadtbezirken sowie bei Personen in der Lebensphase zwischen 40 und 64 Jahren liegt die Ablehnungsquote hier jeweils im Schnitt bei mehr als 60 Prozent.

Einschränkung der Wohnungsgröße bei Umzug keine Option

Obwohl die Mietbelastungsgrenzen für große Teile der Bevölkerung längst erreicht sind und jeder dritte Mieter in Stuttgart nach einer TNS-Untersuchung von 2013 keinen finanziellen Spielraum für Mietsteigerungen mehr hat: Für mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) ist laut aktueller Umfrage eine Einschränkung bei der Wohnungsgröße bei einem Umzug keine Option. Aus unterschiedlichen Gründen: Gut neun Prozent der Befragten geben an, sich bei der Wohnungsgröße nicht weiter einschränken zu können und 43 Prozent wollen ihre derzeitige Wohnsituation nicht verändern. Dies ist besonders bei den über 65-Jährigen, den Einpersonenhaushalten sowie bei Stuttgartern mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.500 Euro ausgeprägt – hier möchte jeweils mehr als jeder Zweite seine Wohnsituation nicht ändern.

Für 46 Prozent der Stuttgarter hingegen ist der Umzug in eine kleinere Wohnung vorstellbar. Die Gründe für den Verzicht auf Wohnungsgröße variieren: Jeder vierte Stuttgarter wäre zu einer Einschränkung bereit, sofern die kleinere Wohnung noch den persönlichen und familiären Bedürfnissen entspricht. 14 Prozent der Befragten würden in eine kleinere Wohnung umziehen, wenn sich die Familiensituation verändert, beispielsweise die Kinder aus dem Haus sind und die derzeitige Wohnung zu groß oder teuer ist. Lediglich acht Prozent der Stuttgarter Bürger erklären sich zu Zugeständnisse bei der Wohnungsgröße bereit, wenn das neue Wohnobjekt preisgünstiger ist.

Im Durchschnitt wendet jeder Stuttgarter nach Angaben der Meinungsforscher von TNS ein Drittel seines Haushaltsnettoeinkommens für die Miete inklusive Nebenkosten bzw. zur Finanzierung seiner Immobilie auf. In den unteren Einkommensgruppen schlagen die Aufwendungen für die Miete tendenziell stärker zu Buche. Stuttgarter mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.500 Euro müssen im Durchschnitt knapp die Hälfte (46 Prozent) ihres zur Verfügung stehenden Geldes für das Wohnen aufwenden.

„Das knappe Immobilienangebot lässt in Stuttgart, wie auch in anderen gefragten Großstädten, die Immobilien- und Mietpreise immer weiter steigen. Der Markt wird auf absehbare Zeit eng bleiben, da immer mehr Menschen die Stadt als attraktives Wohnumfeld schätzen – und zu wenig gebaut wird. Trotz des geringen Angebots und des hohen Preisniveaus sind nur wenige Haushalte bereit Kompromisse einzugehen, etwa bei der Standortwahl oder der Wohnungsgröße. Innerstädtisches Wohnen hat besonders für Jüngere und kleine Haushalte einen hohen Stellenwert“, sagt Günter Schönfeld, Geschäftsführer der Wüstenrot Immobilien GmbH.

Umwandlung städtischer Grün- oder Gewerbeflächen

Aber auch wenn Mietkosten und Wohnungsmangel für viele Bürger der Stadt ein großes Problem darstellen, ist immer noch die Mehrheit der Stuttgarter (57 Prozent) gegen die Umwandlung städtischer Grün- oder Gewerbeflächen in Bauland für neue Wohngebiete. Für den Bau neuer Wohnungen und Eigenheime auf kommunalen Grünflächen sowie Gewerbeflächen stimmen lediglich 18 Prozent der Befragten, jeder Fünfte (22 Prozent) äußert sich unentschieden.

Sollten städtische Grünflächen oder Gewerbegebiete als Bauland ausgewiesen werden, präferiert ein Drittel der Stuttgarter (35 Prozent) als Lösungsansatz prinzipiell die Freigabe von Gewerbeflächen als Bauland. Nach Ansicht von 26 Prozent der Befragten könnten für die Ausweisung neuen Baulands Gewerbeflächen im gesamten Stadtgebiet für Umwandlung freigegeben werden. Jeder Zehnte votiert dafür, nur in den Außenbezirken der Stadt Stuttgarts eine Ausweisung gewerblich genutzter Flächen als neues Bauland zuzulassen. Deutlich verhaltener ist die Zustimmung der Bevölkerung bei der Frage, ob die Kommune Stuttgart auch Teile der städtischen Grünflächen als Bauland für neue Wohngebiete freigeben sollte. Nur 22 Prozent der Stuttgarter wären dafür, gegebenenfalls kommunale Grünflächen für eine Umnutzung in Bauland freizugeben. 14 Prozent vertreten die Auffassung, Freiräume für die Ausweisung von Grünflächen als Bauland ausschließlich in den Außenbezirken in der Stadt Stuttgart zuzulassen. Und lediglich acht Prozent der Stuttgarter Bürger würden einer Freigabe von Grünflächen im gesamten Stadtgebiet zum Bau neuer Wohngebiete zustimmen.

„Die große Nachfrage auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt bei geringem Immobilienangebot sowohl bei Alt- als auch Neubauten wird die Immobilien- und Mietpreise weiter treiben“, sagt Alexander Heinzmann, Geschäftsführer der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH GmbH. „Die angespannte Wohnungsmarktsituation erfordert die Verfügbarkeit von geeignetem Bauland. Hier sind Politik und Bürger gleichermaßen gefordert: Zugeständnissen bei der Erschließung weiterer Flächen und kreative Lösungen gerade im Bereich der Umnutzung von Bestandsgebäuden bieten großes Potenzial für die Schaffung neuen Wohnraums, der in Stuttgart begehrt und attraktiv ist und auch bleiben wird,“ sagt Heinzmann.

Die Ergebnisse in grafischer Form können Sie hier herunterladen .

Methodik: TNS Infratest hat im Zeitraum 31. März bis 5. April 2014 im Auftrag der Wüstenrot & Württembergische AG insgesamt 500 Personen in Stuttgart telefonisch befragt. Die Befragung ist repräsentativ für die Bevölkerung in Stuttgart ab 18 Jahren.

Stuttgart, 24. April 2014

Wüstenrot & Württembergische – Der Vorsorge-Spezialist

Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe ist „Der Vorsorge-Spezialist" für die vier Bausteine moderner Vorsorge: Absicherung, Wohneigentum, Risikoschutz und Vermögensbildung. Im Jahr 1999 aus dem Zusammenschluss der Traditionsunternehmen Wüstenrot und Württembergische entstanden, verbindet der börsennotierte Konzern mit Sitz in Stuttgart die Geschäftsfelder BausparBank und Versicherung als gleichstarke Säulen und bietet auf diese Weise jedem Kunden die Vorsorgelösung, die zu ihm passt. Die rund sechs Millionen Kunden der W&W-Gruppe schätzen die Service-Qualität, die Kompetenz und die Kundennähe von rund 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Innendienst und 6.000 Außendienst-Partnern. Dank eines weiten Netzes aus Kooperations- und Partnervertrieben sowie Makler- und Direkt-Aktivitäten kann die W&W-Gruppe mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland erreichen. Die W&W-Gruppe setzt auch künftig auf Wachstum und hat sich bereits heute als größter unabhängiger und kundenstärkster Finanzdienstleister Baden-Württembergs etabliert.